November 4

Prozess über Produkt: Was ich nicht an KI abgeben möchte

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Wenn man mal anfängt, darauf zu achten, dann sieht man, dass überall KI-generierte Inhalte auftauchen: Bilder, Texte, sogar Musik. Die zwar so gestaltet sind, dass wir sie als harmonisch oder zumindest oberflächlich angenehm empfinden. Nur: Diese extreme Häufung fängt an, mich anzustrengen.

Mit “AI Slop“ – also “KI-Schrott“ – gibt es inzwischen sogar einen Begriff dafür.

Ich frage mich, warum wir eigentlich so viel mit generativer KI prodzieren lassen. Und vor allem:

Was verlieren wir möglicherweise, wenn wir die Herstellung an KI abgeben?

Ich kann das voll nachvollziehen, wenn es um langweilige, repetitive Aufgaben geht. Aber irgendwie nicht, wenn es um den künstlerischen oder gestaltenden Bereich geht. Oder um Schreiben.

Okay … dazu muss ich sagen: Texte schreiben bereitet mir persönlich wirklich große Freude.

Im Frühjahr habe ich gemeinsam mit einem Kollegen angefangen, am Entwurf für eine Veröffentlichung zu arbeiten. Als wir die erste Version so weit hatten, dass unsere Punkte klar waren, war sie – wie üblich – erst mal viel zu lang. Und natürlich auch noch ein bisschen roh. Mein Co-Autor hat einen ersten Aufschlag zum Kürzen mit generativer KI gemacht. Er ist dabei wirklich nach „Good Practice“ und mehrschrittig vorgegangen.

Was dabei rauskam?

Der Text war so gar nicht mehr “unserer“. Irgendwie nicht richtig wiedererkennbar. Und er wirkte so Inhalts-leer. Ich kann gar nicht wirklich sagen, was mir dabei fehlt. Es ist ja alles schön formuliert und unsere Gedanken sind nach wie vor drin. Vielleicht liegt es einfach daran, dass ich jetzt nicht mehr ganz genau weiß, was da eigentlich noch steht.

Auf jeden Fall will ich da noch mal neu und mit meinem eigenen Rotstift dran.

Bin ich da am Ende einfach nur zu oldschool? Oder bin ich einfach bei manchen Dingen nicht bereit, im Dienste der Produktivitätssteigerung Kompromisse zu machen?

Ich würde sagen: Zweiteres.

Viel mehr als das Produkt interessiert mich der Prozess.

Das, was ich daraus mitnehme, lerne. Das, was entsteht, wenn ich auf unerwartete Gedanken stoße. Wo Gedankenstränge sich finden und sich zu einem neuen Muster verweben.

Das ist auch das, was mich am meisten reizt, wenn ich in der Werkstatt an einem Werkstück arbeite. Am Anfang habe ich etwas im Kopf. Aber was am Ende rauskommt, ist immer etwas anderes. Mein letztes längeres Projekt war ein Stifteetui aus Holz. Ich hatte eine ungefähre Vorstellung, wie es aussehen könnte. Und ein Stück Eichenholzfass aus dem Weingut meiner „Sister in Wine“ Hanneke.

Am Ende ist tatsächlich ein kleines Holzetui entstanden, das auf meinem Schreibtisch steht und in welches genau zwei Stifte passen.

Aber was ist im Prozess passiert? Ich habe so unglaublich viel beim Bauen gelernt: die Abrichte sicher verwenden, eine Oberfräse benutzen (Knoten im Gehirn) zum Ausfräsen, eine Hohlkehle fräsen, mittig ins Hirnholz ein Loch für einen Rundstab bohren, ein Holzscharnier herstellen (und richtig verleimen) … und nebenbei habe ich auch noch meinen ganzen Jobwechsel verarbeitet, denn selbst schöne Veränderungen fühlen sich nicht immer „gut“ an. Das ist alles PROZESS und nicht Produkt.

Das Produkt fühlt sich eher wie das an, was vom Prozess „übrig geblieben“ ist.

Im Beitrag What forms judgment habe ich mich gefragt:

„Wie lange werde ich das noch können? Den Finger auf genau das eine Wort zu legen, das einfach nicht passt, wenn ich generative KI immer stärker dazu nutze, um Texte zu schreiben.“

Meine Meinung heute ist: Ich werde selbst schreiben und somit dafür sorgen, dass ich das auch in Zukunft noch kann!

Ich möchte mir die schöpferischen Prozesse bewahren.

Und sei es “nur”, eine wissenschaftliche Veröffentlichung zu schreiben.

In der Konsequenz heißt das für mich: Ich möchte bewusst entscheiden, wo ich generative KI als Hilfsmittel einsetze. Und ich möchte mir Räume bewahren, in denen KI keine Rolle spielt. In denen ich selbst denke, ausprobiere, verwerfe und Neues entdecke. Kompromisslos und gleichzeitig angstfrei.

Denn ich muss nicht KI-resistent sein. Sondern KI-tolerant. Doch das ist ein Gedanke für einen anderen Beitrag.

Und du? Welche Prozesse möchtest du nicht an KI abgeben?

Bleib neugierig und herzliche Grüße
Elske


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